Gemeinschaft Ι Teilhabe Ι Sendung. Für eine synodale Kirche

«Synodalität bewegt»
Die kommenden Wochen werden geprägt sein vom Austausch und den Debatten der ersten Sitzung der Bischofssynode in Rom. Aus der Schweiz werden Felix Gmür, Bischof von Basel und Präsident der Schweizer Bischofskonferenz, sowie Helena Jeppesen-Spuhler, Mitarbeiterin der «Fastenaktion» und Teilnehmerin von nationalen und der kontinentalen Versammlung zur Synode teilnehmen. Sie wird auf gleichwürdig.ch über ihre Erfahrungen berichten.

Unter dem Titel «Synodalität bewegt – weltweit und in der Schweiz» finden Sie an dieser Stelle künftig Beiträge verschiedener Autorinnen und Autoren aus der Schweiz und darüber hinaus, welche den synodalen Prozess aus ihrer Warte darstellen, vertiefen und so zu einer weitergehenden Auseinandersetzung einladen. Unter den Beiträgen sind alle zu einer schriftlichen Diskussion eingeladen.

Zudem werden Sie eingeladen, sich im Rahmen von Zoomveranstaltungen nach einem Impulsreferat selbst zum Thema einzubringen und austauschen zu können. Den Anfang macht hier mit ersten Eindrücken direkt aus Rom Helena Jeppesen-Spuhler am 7. Oktober um 14.00 Uhr.

Synodaler Prozess
Papst Franziskus hat im Oktober 2021 die «gesamte Kirche» zur Weltsynode einberufen. Ab Oktober 2023 werden in Rom 200 Bischöfe und 80 weitere stimmberechtigte Mitglieder der Kirche – darunter erstmals Frauen – in einem zweiteiligen Prozess eine Arbeitshilfe diskutieren, die aus einem mehrteiligen synodalen Prozess hervorgegangen ist. Bistümer und weitere kirchliche Akteure aus aller Welt hatten sich in einem ersten Schritt zu Fragen der Kirche in der Welt von heute vernehmen lassen. Das daraus verfasste Arbeitsdokument wurden auf kontinentalen Versammlungen eingehend diskutiert und daraus das sogenannte «Instrumentum Laboris» (IL) als Gesprächsgrundlage für die Synodalen erstellt.

Papst Paul VI. hat 1965 die seit früher Zeit bekannte Bischofssynode neu eingeführt, um drängende Fragen der römisch-katholischen Kirche auf weltweiter Ebene diskutieren zu können. Seit 1967 finden solche Synoden statt; die erste befasste sich mit der «Bewahrung und Stärkung des katholischen Glaubens», die bislang letzte 2018 mit «Jugend, Glaube und Berufsentscheidung». Die nun anstehende 16. Bischofssynode macht gleichsam die ganze Kirche zum Thema, indem sie danach fragt, wie «gemeinsames Gehen» (IL 1) in der katholischen Kirche heute verstanden und gelebt werden kann.

Beten, zuhören, abwägen
Eines wird die Versammlung von Bischöfen, Priestern und Laien in Rom nicht sein: Sie wird keine neuen Gesetze erlassen (IL 48). Die Synode versteht sich vielmehr als liturgische Versammlung. Gebet, Bekenntnis, Zuhören, Austausch und Debatte im Sinn eines Abwägens der vielfältigen Erkenntnisse aus den vorhergehenden Prozessen stehen im Zentrum. Das mag Menschen, die sich in der Kirche nichts sehnlicher als die schnelle Veränderung von oder das Festhalten an bestehenden Normen wünschen, enttäuschen. Denn angesichts grosser Herausforderungen wie Säkularisierung der Gesellschaft oder Glaubwürdigkeitskrise der Kirche würden deutliche Worte zur Kirchenlehre möglicherweise Klarheit schaffen. Auch wenn diese zu – weiterer – Polarisierung führen könnten.

Das aber ist nicht Ziel dieser Synode. Wer einen Entscheidungsfindungsprozess erlebt hat, weiss, dass es nur selten ein eindeutiges Richtig oder Falsch gibt. Diese Synode sucht denn auch nach Entscheidungsgrundlagen, auf denen die Kirche auf dem weiter zu gehenden Weg bauen kann.  Der Weg dorthin führt über den Austausch. Die Vielzahl der in den Arbeitsblättern für die Synodalen zusammengefassten Themen zeigen eindrücklich, dass die Kirche nicht einfach so ihren Weg weitergehen kann, als würde sich die Welt nicht verändern. Zur Diskussion stehen Gemeinschaft, Gerechtigkeit, kulturelle Vielfalt, Taufwürde von Frauen, Autorität und Verantwortung, um nur einige zu nennen.

Verschiedenheit auf gemeinsamer Grundlage
Die Erfahrungen und die Herausforderungen der katholischen Kirche zeigen sich vor Ort sehr unterschiedlich. Auch dem wird an der Synode Rechnung getragen. Im «Instrumentum Laboris» wird beispielsweise darauf hingewiesen, dass die Verschiedenheit der Ortskirchen berücksichtigt werden muss (IL 12), dies aber nicht zu einem Rückzug aus der Beziehung zur gesamten römischen Kirche führen soll (IL 11).

Eine synodale Kirche wird hier als eine «ganzheitliche Erfahrung» (IL 17) dargestellt. Oder, wie es im Arbeitspapier heisst: «Aus dem Hinhören auf das Volk Gottes entsteht eine Synodalität, die man nun immer mehr ‹von innen heraus› versteht (…) die sich nicht aus der Verkündigung eines Prinzips (…) ableitet, sondern aus der Bereitschaft motiviert ist, in einen dynamischen Prozess (…) einzutreten.» (IL 18).

Martin Spilker, Helena Jeppesen, Mentari Baumann

Die Kommunikationsplattform «Synodalität bewegt – weltweit und in der Schweiz» ist eine private Initiative und wird unter dem Dach der «Allianz Gleichwürdig Katholisch» herausgegeben.

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